Braucht kein Mensch

Nun ist es passiert: auf dem Heimweg aus dem Büro erwischte mich ein Auto und beförderte mich beinahe ins Jenseits. Wie immer war ich letzte Woche am Dienstag Abend nach der Arbeit mit dem Rad heim gefahren. Das lief wohl auch ganz gut, bis ich in Riedberg an eine Kreuzung kam, an der mich ein entgegenkommender Autofahrer beim Linksabbiegen übersah. Das Ergebnis war, dass ich erst auf die Windschutzscheibe flog, davon abprallte und unsanft auf dem Asphalt landete. Dort blieb ich wohl erst mal einige Minuten bewustlos liegen. Zwar kam ich dann wieder zu mir, war aber vollkommen verwirrt und wurde schließlich vom Notarzt abtransportiert und in die Uniklinik gebracht. Hier kam ich wieder einigermaßen zu mir, der gesamte Unfall und die Zeit danach ist anscheinend komplett aus meiner Erinnerung gestrichen worden. Im Schockraum kam dann so langsam heraus, was alles mit mir nicht stimmte: nach einigen Untersuchungen und CT wurde deutlich, dass meine Halswirbelsäule etwas abbekommen hatte. Zwar nicht komplett gebrochen – da hatte ich nochmal massiv Glück gehabt, aber einige Bänder sind wohl durch und die Bandscheibe zwischen Wirbel 6 und 7 musste ersetzt werden. Dies bestätigte sich auch nach einem MRT am folgenden Tag. An einem weitern Wirbel im Lendenbereich war auch ein Stück abgebrochen, das ist aber wohl net so dramatisch. So wurde ich erst einmal unter Drogen gesetzt und durfte die erste Nacht im Krankenhaus verbringen. Julia kam auch vorbei, nachdem ich ihr die tollen Nachrichten überbracht hatte. An die Halskrause sollte ich mich schon mal gewöhnen, die muss ich nun länger tragen.

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Am Folgetag stand dann das MRT an. Das bestätigte noch einmal die erste Diagnose, zeigte aber auch, dass die Gefäße und Nerven wohl alle noch heile waren – also nochmal Glück gehabt. Die Op wurde dann für den Freitag angesetzt, erst einmal wurde ich aber den ganzen Tag auf Diät gesetzt, sprich über 24 Stunden durfte ich nix essen und auch nichts trinken.

Freitag war es dann soweit: die OP stand an. Nervös war ich natürlich, zumal man mir alle möglichen Komplikationen geschildert hatte und davon gab es eine Menge. Es sollte ein Stück Knochen aus dem Beckenkamm entnommen werden und die Bandscheibe zwischen den beiden Halswirbeln ersetzten. Danach sollte alles mit einer Platte fixiert werden. Dazu musste man von vorne in den Hals gehen, also vorbei an Speise- und Luftröhre. Klingt nun alles sehr dramatisch, natürlich sollte alles unter Vollnarkose gemacht werden, aber dennoch blieb der Bammel.

Die OP verlief dann recht ereignislos. Die Vorbereitungsprozedur kannte ich ja schon. Ich bekam eine “Mir-ist-alles-egal” Tablette und dann kam die eigentliche Betäubung. Das ging bei mir wieder: Zack – Stecker gezogen und Dunkelheit. Als ich wieder erwachte war alles vorbei und ich lag im Aufwachraum. Hier war ich natürlich auch erst mal vollkommen neben der Spur, doch schon bald ging es mir besser und es war vor allem langweilig. Ok, man muss dazu sagen, dass ich auch vollkommen mit Drogen vollgepumpt war, also konnte ich ja nichts spüren. Etwas unangenehm war der Blasenkatheder – irgendwie hatte ich ständig das Gefühl ins Bett zu machen. Dazu hatte ich noch zwei Drainageschläuche, über die fiese Dinge aus mir heraus liefen:

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Aber die Laune war gut, auch wenn ich noch nicht richtig sprechen konnte:

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Die Nacht im Aufwachraum war dann auch endlich irgendwann vorbei und ich durfte zurück auf die nomale Station. Hier war es wieder affenwarm, den Lüftung oder Klimanlage hatte man beim Bau der Station vergessen. Immerhin durfte ich wieder etwas essen, und bei dem Krankenhausessen will das schon etwas bedeutetn, wenn man sich darauf freut:

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Samstag und Sonntag waren dann recht ereignislos, vor allem war es langweilig. Man kann ja auch nicht den ganzen Tag lesen oder Videos gucken. Glücklicherweise bekam ich reichlich Besuch, so dass auch die Tage vorbei gingen. Auch die Heilung ging voran: Samstag kam der Blasenkatheder raus, Sonntag die Drainagen, so dass ich dann endlich wieder normal herum laufen konnte. Duschen konnte ich nicht richtig, einmal wegen der Wunden und dann wegen der Halskrause, die ich ja noch immer tragen durfte. Aber mit Waschlappen und etwas Geduld war zumindest eine Katzenwäsche möglich.

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Montag gab es dann noch ein Kontroll Röngen und nach einer Besprechung mit dem Arzt, der mich auch operiert hatte, durfte ich wieder heim. So sieht mein Hals nun aus:

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One Response to Braucht kein Mensch

  1. harm says:

    Oh Mann, das klingt echt scheisse.
    Ich wünsch Dir eine schnelle Genesung und komm bald wieder auf die Beine!

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