Paris Roubaix – die Langfassung

In diesem Jahr war es nun soweit: Julia und ich wollten die die Queen of the Classics – die Paris Roubaix Challenge fahren: 172km, davon 54km über die legendären Pavees. Mittlerweile regelmäßig veranstaltet die ASO hier am Tag vor dem Eliterennen eine RTF über eine etwas verkürzte Strecke, die aber alle Pavees enthält – also Gerüttel satt.
Da wir unsere Rennräder nicht zu sehr schinden wollten, entschieden wir uns für die Crosser, auf die ich 28mm Schwalbe Durano Reifen aufzog. Die rollten noch ganz gut, bei gleichzeitig annehmbarer Pannensicherheit. Zusätzlich hatte ich Julia und mir eine zweite Lage Lenkerband spendiert – damit musste es dann aushaltbar sein – das war zumindest der Plan.

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Nachdem wir Freitag am frühen Nachmittag angekommen waren und unsere Startnummern abgeholt hatten, wollten wir uns zumindest die letzten drei Pavees anschauen, hier war immerhin ein 5 Sterne Stück mit dabei – wir wollten doch wissen, was auf uns zukommen würde: Camphin-en-Pevele, Carrefour de l’Arbre und Gruson wollten wir uns anschauen.

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Glücklicherweise hatte das Wetter ein Einsehen und es war sonnig, die Steine waren trocken und es gab kaum noch matschige Stellen. Dazu noch etwas Südwind, also eigentlich perfekte Bedingungen.
Nach ca. 5km Einrollen auf der Straße ging es dann los: Abzweigung von der wunderbar glatten Straße rein in das erste Kopfsteinpflaster Stück. Heiliges Blech, dachten wir uns nur, dieses Pflaster übertrifft alles, was wir aus Deutschland kannten. Zwar liegen hier Steine, die irgendwann sicherlich auch mal gut verlegt wurden, doch mittlerweile sind die Wege komplett erodiert: Steine stehen nach oben mehrere Zentimeter raus, die Fugen sind weit breiter als ein Radreifen, oft fehlt auch mal ein Stein oder gleich mehrere und gelegentlich haben sich die Steine auch so gedreht, dass sie mit einer Kante nach oben zeigen – herrliche Reifenkiller. Der Trick ist ja angeblich schnell über die Pavees zu bügeln, das Problem ist nur, dass es so gar nicht rollen will, sprich ruck zuck sinkt der Tacho auf 20km/h oder weniger und dann wird es ganz übel. Immerhin kamen wir durch die ersten beiden Pavees gut durch, ich verlor nur meine Flasche und mein Garmin hatte meinen Arm aufgescheuert – super, schon nach 5 von 54km war ich ein Wrack, das konnte ja was werden.
Zurück zum Auto ging es dann recht schnell und auch das Hotel fanden wir fix. Abends gab es dann noch Burger und Fritten – wieder einmal die optimale Wettkampfvorbereitung. Aber hier stand ja kein Wettkampf an.

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Am Samstag klingelte der Wecker dann um 3:00 Uhr: Frühstücken, Rad einladen und nochmal zum offiziellen Frühstück im Hotel, bevor wir dann zum Shuttle Bus fuhren, der uns nach Busigny bringen sollte. Hier dauerte es erst mal eine gefühlte Ewigkeit, bis alle Räder verladen waren und alle Fahrer ihre Busse gefunden hatten. So kam es, dass wir erst gegen 8:30 losfahren konnten. Zunächst ging es hier knapp 10km über schöne Straßen, bevor das erste Pavee Stück kam. Es geht dann gleich mit 2,2km mit 3 Sternen los. Also schon mal gutes Gerumpel. Und natürlich standen gleich überall am Rand die Fahrer, die ihre Reifen wechseln mussten. Julia und ich kamen gut durch, doch schon am nächsten Pavee war es soweit: anscheinend übersah ich eine allzu böse Kante und platt war mein Hinterreifen. Der Reifenwechsel ging gann recht fix, allerdings bekam ich nicht wirklich genug Lufr in den Reifen, so dass ich mir einige Kilometer weiter eine Pumpe von einem Betreuer ausborgen musste. Mit frischer Luft ging es weiter, doch schon bald hatte Julia einen platen Vorderreifen. Also das ganze Spiel nochmal: Reifen gewechselt, vorsichtig weiter gefahren und dann bei einem Betreuer wieder eine Standpumpe geschnorrt. Wir machten uns nun schon Sorgen, dass das nun so mit den Platten weiter gehen würde, doch anscheinend hatten wir glück und hatten keinen weiteren Reifendefekt mehr.
Wir kamen auch recht zügig voran, vor allem auf den Asphalt Stücken konnten wir immer wieder gut Tempo machen, die Pavees gingen wir lieber etwas defensiver an – wir wollten ja nichts riskieren. Zwischenzeitlich meldete sich mein rechter Bremshebel, der verlor nach einem Rüttelstück Öl und ich befürchtete schon, dass die Bremse ausfallen würde, aber anscheinend war das nur ein kurzfristiger Defekt – wieder zu hause muss ich dann auf jeden Fall mal kontrollieren, woher das Öl kam.
Die Pavees sind mal besser mal schlechter zu fahren, der Höhepunkt war dann natürlich wie erwartet der Wald von Ahrensberg. Dieses Pavee kann man wirklich nicht mehr als KopfsteinPFLASTER bezeichnen. Da liegen halt einige Steine auf dem Weg und gefühlt jeden zweiten haben sie wieder weg genommen. Dazu sind die Steine feuscht und glitschig, hektische Lenkbewegungen sollte man daher unterlassen. Auf hier kamen wir jedoch gut durch, wobei ich am Ende des Pavees meine Finger wirklich garnicht mehr spürte. Zum Gluck kam danach eine längere Asphalt Passage, so dass wir uns wieder erholen konnten. Eine Knaller sollte ja noch kommen: kurz vor dem Ende kam noch ein 4 Stener Pavee und direkt danach noch einer mit 5 Sternen. So versuchten wir uns etws zu schonen, verpflegten uns an den Futterstationen noch einmal mit Waffeln und Iso – es war mittlerweile richitg schön warm geworden und dann ging es in die letzten Pavees. Die kannten wir schon, wir wussten also, was uns erwarten würde. Es rumpelte wie erwartet, aber auch hier kamen Julia und ich bestens durch. Ok, viel Körperspannung hatten wir nicht mehr, dafür waren wir zu geschafft. Immer wieder versuchten wir daher auf den Randstreifen auszuweichen – alles war besser als über diese Steine zu fahren.

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Danach hatten wir es beinahe geschafft, noch ein letztes relativ harmloses Stück und dann ging es in den Stadtverkehr in Roubaix. Das war dann leider ein recht unwürdiger Abschluss dieses genialen Events: es ging mitten durch den Feierabendverkehr, mit Stau, vielen Roten Ampeln und noch mehr wartenden Autos. Immerhin sind die Autofahrer hier extreme rücksichtsvoll – immer warteten sie und ließen uns den Vortritt – kennt man ja leider aus Deutschland etwas anders.
Dann endlich: das Velodrom vor uns. Noch zwei Kurven und wir konnten auf die legendäre Bahn einbiegen – noch eine halbe Ehrenrunde und wir beide hatten es überstanden. 6:30 hatten wir gebraucht, das war so ziemlich auch mein Ziel gewesen, insofern passte das ganz gut.

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Was blieb: Finger tun weh, Oberarme tun weh, Achillessehne links tut weh, aber sonst ging es uns recht gut, besser als erwartet.
Fazit: Geschafft, Spaß hat es gemacht, aber nochmal muss dann auch nicht sein 😉

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