Ich ess Blumen – 25 Jahre ohne Fleisch

Und warum?

Es fing alles vor über 25 Jahren an. als wir im Religionsunterricht den Film „Fleisch frisst Mensch“ schauten, der sich mit Massentierhaltung auseinandersetzte. Schon damals waren die Produktionsmethoden des täglichen Fleischs brutal und die Bilder erschütterten mich. Daraufhin verkündete ich, als ich nach Hause kam, dass ich ab dem Tag kein Fleisch mehr essen würde. Meine Eltern nickten, hielten es vermutlich für eine weitere Marotte ihrer 14-jährigen Tochter und kochten ab da das Essen immer in zwei Töpfen. Viel schlimmer waren dafür die Diskussionen mit meinem einen Opa, der als unter dem WW2 leidender, kein Verständnis dafür aufbringen konnte, warum man auf so ein vermeintlich wertvolles Grundnahrungsmittel verzichten könnte. Nun ja…

Die Entwicklung der Fleischindustrie ging weiter und eine Dokumentation wie damals wäre heute vermutlich noch viel grausamer anzuschauen (natürlich ist Youtube heute voll mit solchen Dokus – aber anschauen möchte ich mir das wegen drohender Albtraumgefahr auf keinen Fall). Nicht nur, dass die Schlachthöfe immer größer werden, nein, auch die „medizinische“ Versorgung der Tiere wurde im Laufe der Jahre immer besser. Antibiotika- und sonstige Medikamenten-Resistenzen lassen grüßen – was bis in Biogasanlagen wirkt. Aber Hühner dürfen ja immerhin in Deutschland nur noch in Bodenhaltung gehalten werden und nicht mehr im Käfig (mit weniger Platz als einem Din A4 Blatt). Da geht es denen ja schon fast gut. Und die Gülle der Tiere wird mittlerweile in andere (Bundes)Länder gefahren und dort ausgebracht (wie das so schön verharmlosend klingt), weil die Böden in Gegenden, in denen es viel Massentierhaltung gibt, vor allem in Niedersachsen, völlig übersäuert sind (ich erinnere mich noch an meine Kindheit, als man sich die Nase zuhalten musste, fuhr man durch Südoldenburg. Das schöne Südoldenburg, das mit die größte Hühnerdichte weltweit hat) und die Qualität des Grundwassers deshalb massiv leidet.

Vor nicht allzu langer Zeit las ich einen Artikel über Schlachthöfe mit Extraeinrichtungen für Schweine, damit diese stressempfindlichen Tiere nicht allzu sehr verkrampfen, wenn sie schon nach ewig lange Fahrt an ihrem Schafott, äh Schlachthof ankommen. Perfide werden sie dort in Sicherheit gewogen mit Spielplätzen und Ruhezonen. Allerdings nur, um dann am Ende doch den finalen Stromschlag zu erhalten. In den großen Schlachthöfen werden täglich bis zu 20.000 Tiere geschlachtet. Eine unvorstellbare Zahl.

Aber die USA wollen das männliche Küken schreddern ab 2020 dann doch schon verbieten, während bei uns weiterhin geschreddert werden darf. Einfach, weil man mit den Männchen nichts anfangen kann (4 Cent EK im Vergleich zu 20 Cent für ein Huhn – ausnahmsweise ist das Weibchen mal mehr wert).

Habe ich seit 1991 das Fleisch in meiner Nahrung vermisst? Oder würde ich gerne wieder? Davon mal abgesehen, dass ich längst vergessen habe, wie Fleisch, egal von welchem Tier, schmeckt, habe ich auch keinerlei Verlangen, es wieder auszuprobieren. Es macht mich einfach nicht an. Meine Gründe sind für mich, wie schon vor 25 Jahren, dass die Lebens- und Sterbebedingungen für die Tiere unmenschlich sind. Da helfen auch Initiativen wie “Tierwohl”, bei der sich der Deutsche Tierschutzbund aus dem Beraterkreis verabschiedete, weil ihm die Anforderungen an die Tierhaltungen zu niedrig waren, leider nicht weiter.

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