{"id":1512,"date":"2012-08-11T18:04:44","date_gmt":"2012-08-11T16:04:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/?p=1512"},"modified":"2012-08-11T18:05:46","modified_gmt":"2012-08-11T16:05:46","slug":"und-der-rennbericht-von-julia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/und-der-rennbericht-von-julia\/","title":{"rendered":"Und der Rennbericht von Julia"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: medium;\">Alex und ich haben einen Teil unseres Urlaubs dieses Jahr in Norwegen verbracht. Nat\u00c3\u00bcrlich auch, um mal wieder ein Rennen zu machen. Dieses war f\u00c3\u00bcr mich der Norseman!<br \/>\nViel Spa\u00c3\u0178 beim Lesen des Berichts!<\/p>\n<p>Die Nacht vor dem Rennen war ungew\u00c3\u00b6hnlich kurz. Nicht nur, weil der Wecker schon f\u00c3\u00bcr 2 Uhr gestellt war, sondern auch weil Alex am Vorabend noch den Eidfjord Mini Triathlon mitmachte, dessen Start erst um 7 Uhr abends war (es war allerdings ein Duathlon, weil das Wasser so kalt war) und mitten in der Nacht sich eine Horde Jugendlicher \u00c3\u00bcberlegte, ihr Zelt direkt hinter unserem Wobi aufzuschlagen, sich dabei lautstark zu unterhalten und die Luftmatratze elektrisch aufzublasen. Als die dann endlich ruhig waren, ging der Wecker. Die \u00c3\u00bcbliche Wettkampfroutine ging los: anziehen, Alex zauberte mir meinen Latte Macchiato und ich versuchte, was zu essen. Man, war mir schlecht! Dann ging es r\u00c3\u00bcber zur Wechselzone. Dort zeigte sich, dass es in diesem Rennen immer ums Team geht &#8211; ich hatte meine Neoprensocken vergessen und Alex joggte zum Wohnmobil zur\u00c3\u00bcck und holte sie, w\u00c3\u00a4hrend ich mein Rad fertig machte. Um kurz vor 4 war es dann so weit &#8211; Zeit zum Einschiffen. Ein letzter Kuss, ein letzter panischer Blick zur\u00c3\u00bcck und schon ging es raus auf den Fjord. Die Atmosph\u00c3\u00a4re auf der F\u00c3\u00a4hre war eigen: voller Anspannung, ein bisschen Angst, Unsicherheit und Vorfreude auf das kommende&#8230;Dann waren wir endlich in Position, die Heckklappe ging auf und die ersten sprangen ins Wasser.<br \/>\nF\u00c3\u00bcr mich hatte der Gedanke, dass ich nicht ins Wasser springen m\u00c3\u00bcsste, etwas sehr beruhigendes. Also ging ich zur Chicken Ladder. Und wurde entt\u00c3\u00a4uscht: keine Leiter, es war eine T\u00c3\u00bcr ins schwarze Nichts!!! Also, dann doch die Rampe (und das ich, wo ich noch nicht mal von nem Startblock springe, wenn ich nicht muss). Ich setzte mich auf die Kante, sammelte mich f\u00c3\u00bcr 30sek (die Helfer fragten mich schon, ob alles ok sei) und SPRANG! Aufschlagen im 13,5\u00c2\u00b0 kalten Wasser SCH\u00c2\u00a7\/$=, ist das kalt!), nach Luft schnappen&#8230;und feststellen, dass alles ok war. Ich schwamm zur Startlinie und positionierte mich am rechten Rand da ich beim Freiwasserschwimmen gerne einen Linksdrall entwickel. Das Schiffshorn blies und schon ging es los! Ich fand relativ schnell meinen Rhythmus und erinnerte mich immer wieder daran, dass ich nicht bummeln d\u00c3\u00bcrfe. Und dann fing das Problem an, das mich den ganzen Tag \u00c3\u00bcber begleiten w\u00c3\u00bcrde: ich musste ganz dringend auf Toilette! Der Darm rumorte, ich versuchte ruhig zu bleiben und weiter zu schwimmen. Was mir auch mehr oder weniger gelang. Es ist halt nicht ganz einfach sich auf etwas anderes zu konzentrieren, wenn man sooo dringend muss! Ich k\u00c3\u00a4mpfte mich weiter, das Gef\u00c3\u00bchl f\u00c3\u00bcr die Zeit geht mir im Wasser ohnehin immer ab. Endlich, das Ufer! ich renne aus dem Wasser, da l\u00c3\u00a4uft mir Alex schon entgegen, ich zerre mir die Neoprensachen vom Leib und sage, dass ich GANZ DRINGEND muss. Er kl\u00c3\u00a4rt es mit einem Helfer, der mich ins Hotel nebendran begleitet (es gibt in der Wechselzone kein Dixi). Es ist, wie bef\u00c3\u00bcrchtet, bester Durchfall. Ok, heulen hilft nichts, wieder zur\u00c3\u00bcck, Radklamotten an und los gehts endlich mit dem Rennen.<br \/>\nAusger\u00c3\u00bcstet mit Licht und Warnweste geht es raus aus Eidfjord. Mir klappern die Z\u00c3\u00a4hne&#8230;Das Wetter ist trocken aber neblig bei irgendwas um 10\u00c2\u00b0 (?). Ich hatte mich schon die Tage vorher f\u00c3\u00bcr Knielinge, Armlinge, Trikot und Weste entschieden. Eine gute Wahl wie sich zeigen wird. Auf der alten und neuen Stra\u00c3\u0178e geht es Richtung Hardangervidda &#8211; endlich ein Anstieg zum warm werden. Nach 5km ist das Z\u00c3\u00a4hne klappern endlich zuende. Ich \u00c3\u00bcberhole einen nach dem anderen in dem Anstieg und kurbele den Anstieg rauf. Bei km 35 in Dyranut habe ich mich mit Alex verabredet &#8211; neues Essen und warmes Wasser zu trinken. Ausnahmsweise mache ich nicht den Br\u00c3\u00bcllaffen und suche nur nach der gr\u00c3\u00bcnen Jacke, rolle an der Verpflegungszone vorbei und sehe Alex nicht. Kleine Panikattacke! Da ich aber auf jeden Fall was zu trinken brauche und Alex wissen muss, dass ich durch bin, drehe ich um und mache jetzt den Br\u00c3\u00bcllaffen. Da kommt er schon gerannt. Ich ziehe mir die Regenjacke f\u00c3\u00bcr die kommende Abfahrt an, Austausch von drei Worten und ab Richtung Geilo (diese Aktion wird mich die Radbestzeit des Tages gekostet haben). Mit R\u00c3\u00bcckenwind geht es \u00c3\u00bcber die Hardangervidda. Man, macht das Spa\u00c3\u0178! Ein paar leichtere Anstiege mittendrin werden locker gekurbelt, aber meistens geht es bergab. Vor Geilo steht Alex wieder und wartet mit Wasser &#8211; ich habe noch genug und rausche vorbei.<br \/>\nDer Verkehr mit den Supportern wird ein bisschen d\u00c3\u00bcnner bzw man &#8220;trifft&#8221; immer wieder die gleichen. Aus den Nicht-Supportautos wird man ebenfalls angefeuert (ich habe das &#8220;Heia&#8221; immer noch in meinen Ohren!). Es wird sehr r\u00c3\u00bccksichtsvoll gefahren (auch auf den Trainingstouren wurde ich nie angehupt) und die Stra\u00c3\u0178en sind unglaublich sauber. Nicht nur, dass kein Abfall am Wegesrand liegt (es ist absolut verp\u00c3\u00b6nt in Norwegen, M\u00c3\u00bcll in der Natur zu entsorgen), sondern ich habe auch nicht eine kaputte Glasflasche oder Scherben auf der Tour gesehen. Ein Paradies f\u00c3\u00bcr Radfahrer in der Hinsicht!<br \/>\nKurz vor Geilo \u00c3\u00bcberholen mich f\u00c3\u00bcnf Athleten und fangen das Bummeln an, sobald sie mich &#8220;haben&#8221;. Auf diese Art von Spielchen habe ich keine Lust, ich trete nochmal an und \u00c3\u00bcberhole sie wieder. Am Ortsausgang von Geilo im n\u00c3\u00a4chsten, 5km langen Anstieg wartet Alex. Regenjacke wieder aus, Wasser zugeladen, Gels erneuert und weiter. Ich klettere hoch (dieses war der erste Streich&#8230;) und in einer sch\u00c3\u00b6nen Abfahrt geht es wieder runter. Unten angekommen geht es nat\u00c3\u00bcrlich wieder rauf. Dieses Mal f\u00c3\u00bcr knappe 6km. Oben wartet Alex wieder mit Wasser. Ich muss ein bisschen auf den Magen achten, der sich immer wieder meldet. Und wieder geht es runter. Kaum unten, geht es nat\u00c3\u00bcrlich auch wieder rauf. Dann kommt der letzte Anstieg &#8211; 8km. Also nur noch der Feldberg von Oberursel bis zum Sandplacken, allerdings mit eine bisschen mehr Steigung. Alex wartet wie immer, ich br\u00c3\u00bclle r\u00c3\u00bcber, dass er f\u00c3\u00bcr das Laufen doch bitte die Sonnencreme zurecht legt und nun geht es \u00c3\u00bcber eine Hochebene leicht hoch f\u00c3\u00bcr weitere 4km. Die Landschaft ist sagenhaft, aber so richtig Zeit zum Kucken habe ich nicht. Dann, endlich die Abfahrt! Es geht mit leichten Serpentinen los und dann rollt es kontinuierlich f\u00c3\u00bcr die n\u00c3\u00a4chsten 30km. Der Stra\u00c3\u0178enbelag weist teilweise fiese Querrillen auf, dass ich immer wieder Angst habe, dass mir mein Flickzeug oder eine Plombe verloren geht. Ich passiere das 170-Kilometerschild. Und ich dachte schon, ich h\u00c3\u00a4tte mich verfahren! Denn seit Kilometern hatte ich weder einen anderen Athleten noch ein Supportauto gesehen.<br \/>\nDann kommt endlich die dritte Rechtsabzweigung in Austbygdi. Es kann nicht mehr weit bis zur WZ2 sein! Ich \u00c3\u00bcberhole noch einen Mitstreiter und dann darf ich vom Rad. Alex hat alles in der charmantesten Wechselzone, die ich bisher gesehen habe (gr\u00c3\u00bcne Wiese, jeder sucht sich seinen Platz) vorbereitet, er rei\u00c3\u0178t mir die Radklamotten runter und cremt mir die Schultern ein, w\u00c3\u00a4hrend ich die Schuhe anziehe. Und dann geht es im Schlappschritt los. Doch halt! Erst mal meldet sich der Darm, ab in Geb\u00c3\u00bcsch! Schon besser! Es geht auf einer sch\u00c3\u00b6nen Stra\u00c3\u0178e entlang eines Sees &#8211; mit leichten Wellen gespickt, damit uns auf keinen Fall langweilig wird. Alex wartet alle zwei Kilometer auf mich mit Wasser und Cola. Der Magen ist zu dem Zeitpunkt nicht mehr willens, noch was an Gel aufzunehmen und so steige ich bei Kilometer 10 auf Cola um. Trotzdem muss ich bis Kilometer 25 noch zweimal ins Geb\u00c3\u00bcsch. Bei Kilometer 19 sehe ich endlich den Gipfel! Ich bin froh, dass es in Rjukan dann endlich rauf geht. Ich trippel-jogge den Anstieg rauf. Und Alex steht nach wie vor alle 1-2km am Rand und wartet. Ich erlaube mir eine kurze Gehpause, dann laufe ich weiter. Bei Kilometer 28 rum fragt er, ob ich wissen will, wo ich liege. &#8220;Ist das interessant?&#8221; frage ich. Erst da erfahre ich, dass ich in F\u00c3\u00bchrung liege. Tief durchatmen und weitermachen! Ich arbeite mich in 5km Schritten Richtung Gipfel &#8211; dabei \u00c3\u00bcberhole ich einige spazierengehende Athleten. Endlich, Kilometer 32,5! Nummer wird am Checkpoint auf der Liste abgehakt, dann los zu Kilometer 37,5 &#8211; dem Checkpoint, bevor es vom Asphalt auf das Ger\u00c3\u00b6ll geht. Alex war vorgefahren und wartet mit den beiden Rucks\u00c3\u00a4cken. ich werde gefragt, ob ich Essen, Trinken, warme Kleidung und das Handy dabei habe und wir d\u00c3\u00bcrfen weiter (unter zahlreichen &#8220;Heia&#8221;-Rufen nat\u00c3\u00bcrlich! :-)). Uns kommen vielen Wanderer entgegen &#8211; alle feuern an. Der Nopogo treibt aber ich kann f\u00c3\u00bcr den Moment nicht schneller. Der Magen vermeldet Hunger! Sehr gut! ich esse einen Riegel und sofort macht sich die zugef\u00c3\u00bchrte Energie bemerkbar. Der Schritt wird schneller und der Gipfel kommt immer n\u00c3\u00a4her. Der Mitstreiter, der mal vor und mal hinter uns hochstieg, \u00c3\u00bcberholt mich zum letzten Mal. Alex rennt schon zum Ziel f\u00c3\u00bcr ein Foto und ich steige die letzten Meter rauf. Oben angekommen kann ich es kaum glauben! GESCHAFFT!<br \/>\nIch bekomme ein Decke umgeh\u00c3\u00a4ngt, Fotos werden gemacht und da kommt auch schon die zweite Frau. N\u00c3\u00a4chstes Foto, dann bekomme ich Tomatensuppe zu essen. Ich bin in dem Moment unglaublich m\u00c3\u00bcde, zufrieden und mir tun die Beine weh! Hatte ich vor dem Rennen noch die Idee, dass ich mit Alex noch absteigen k\u00c3\u00b6nnte, muss ich diese leider verwerfen. Keine Chance. Ich ziehe mich um und ich steige runter zur Bahn, w\u00c3\u00a4hrend Alex den Abstieg startet. Die unterirdische Bahn bringt mich in zwei Etappen nach unten, der Shuttlebus dann wieder zum Checkpoint km37,5, wo ich auf Alex warte. Der kommt gegen halb 8 unten an, wir suchen unser Wohnmobil und machen Platz f\u00c3\u00bcr das n\u00c3\u00a4chste Supportauto. Wir haben eine Reservierung f\u00c3\u00bcr einen Campingplatz unten in Rjukan, aber wir biegen auf den n\u00c3\u00a4chstbesten Zeltplatz ein. Auch da das \u00c3\u00bcbliche Prozedere: duschen, Nudeln machen und dann endlich schlafen &#8211; ohne von M\u00c3\u00bccken aufgefressen oder durch st\u00c3\u00b6rende Ger\u00c3\u00a4usche wach gehalten zu werden. Innerhalb von Sekunden bin ich nach einem erlebnisreichen Tag eingeschlafen.<br \/>\nDie Siegerehrung am n\u00c3\u00a4chsten Tag ist schnell und schnmerzlos abgehandelt. Ab 10 Uhr kann sich jeder Finisher sein T-Shirt abholen, um 11 f\u00c3\u00a4ngt die Siegerehrung an. Die ersten drei Frauen werden nach vorne gerufen, Foto gemacht und verabschiedet. Die ersten drei M\u00c3\u00a4nner werden nach vorne gerufen, Foto gemacht und verabschiedet. Es gibt das Gruppenfoto mit allen Teilnehmern vor dem Gaustatoppen und damit ist der offizielle Teil beendet. Wir bleiben noch an der Strecke am Nachmittag und feuern noch eine Bekannte an und fahren dann zu Auster und Leif, die in der N\u00c3\u00a4he von Rjukan Urlaub machen. Dort verbringen wir einen wunderbar entspannten und entspannenden Nachmittag, bevor wir uns am folgenden Tag Richtung F\u00c3\u00a4hre nach Oslo aufmachen.<\/p>\n<p>Nun sind wir wieder zur\u00c3\u00bcck, ich bin immer noch ganz geflasht von dem Rennen. Mal sehen, ob ich mich wieder f\u00c3\u00bcr die Lotterie im kommenden Jahr melden werde&#8230; \ud83d\ude42<br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alex und ich haben einen Teil unseres Urlaubs dieses Jahr in Norwegen verbracht. Nat\u00c3\u00bcrlich auch, um mal wieder ein Rennen zu machen. Dieses war f\u00c3\u00bcr mich der Norseman! Viel Spa\u00c3\u0178 beim Lesen des Berichts! 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