{"id":5903,"date":"2022-09-25T08:39:37","date_gmt":"2022-09-25T06:39:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/?p=5903"},"modified":"2022-09-25T08:39:37","modified_gmt":"2022-09-25T06:39:37","slug":"julia-beim-further","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/julia-beim-further\/","title":{"rendered":"Julia beim Further"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem urspr\u00fcnglichen Plan wollten Alex und ich gemeinsam beim further starten. Aber dann kam leider sein Unfall mit den gebrochenen Rippen dazu und schnell war klar, dass das mit dem Rad tragen, was beim Further extensiv gemacht wird, nicht klappen wird. Und weil ich ja schon vergangenes Jahr sagte, dass ich es auch alleine f\u00fchre, kam es dann auch so.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 3209\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_3209.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG20220824093857\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img20220824093857.jpg\" width=\"640\" height=\"480\" \/><br \/>\nAm Vorabend vor dem Start trafen sich alle 37 Starter (30 M\u00e4nner, 7 Frauen) und einige Fans, Anh\u00e4nge, Orgas und mein Edelsupporter zum Abendessen. Weil es Further ist, trifft man sich nicht in irgendeinem Restaurant, sondern am Start auf der H\u00fctte Refuge de Rulhe. Dorthin f\u00fchrt keine Zufahrtstra\u00dfe, sondern wir durften an dem Donnerstag schon mal das Rad schieben\/tragen auf den 3 Kilometern Aufstieg zum Refuge \u00fcben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 3218\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_3218.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p>Nachmittags schauten Alex und ich uns noch einmal die Startgerade an: 50m konnte man ungef\u00e4hr fahren, dann konnte man das Rad schon schieben\/tragen ??<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 3221\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_3221.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><br \/>\nDas Abendessen verlief ruhig, viele der Teilnehmer kannten sich schon von anderen Rennen. Alex und ich verkr\u00fcmeln uns fr\u00fch ins Bett, um 6 Uhr am n\u00e4chsten Tag w\u00fcrde die Nacht zuende sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 3244\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_3244.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><br \/>\nDer Wecker ging und ich war schon v\u00f6llig aufgeregt. Das war alles so ganz anders als die anderen Rennen. Erst einmal Fr\u00fchst\u00fcck, dann wird das Rad gecheckt, Sonnencreme verteilt und dann zieht sich die Zeit bis zum Start um 9 Uhr scheinbar endlos\u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 3232\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_3232.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 3262\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_3262.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 3263\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_3263.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p>Ich bin so angespannt, dass ich kurz vorm Weinen bin. Dann endlich geht es los, die Horde st\u00fcrmt auf den H\u00fcgel und jeder versucht die beste Linie zu finden. Die kommenden zwei Stunden bin ich damit besch\u00e4ftigt, das Rad, obwohl es bergab geht, irgendwie schiebend\/tragend bis zur n\u00e4chsten Stra\u00dfe bzw. fahrbaren Passage zu bekommen. Wir Frauen sortieren uns eher hinten im Feld ein, manchmal quatscht man kurz, aber dann geht es schon wieder alleine weiter. Kurz vor Ende des Abstiegs steht Alex, macht Fotos und feuert an. Dann geht es endlich auf den Asphalt und ich fliege den Berg hinunter. Aber nicht allzu lange, denn dann geht es links wieder einen Wanderweg nach Larnat raufzuklettern. Vor mir sind zwei Franzosen, die dann auch irgendwann aus dem Blickfeld verschwunden sind. Als ich wieder einmal Asphalt unter den F\u00fc\u00dfen habe, ziehe ich die Schuhe um.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 3278\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_3278.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 3279\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_3279.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><br \/>\nNach dem Schuh- bzw. Blasendrama vom vergangenen Jahr von Alex war die Idee, mit zwei Paar Schuhen unterwegs zu sein. Mit MTB-Schuhen, wo es fahrend geht, mit Laufschuhen, wo man das Rad schiebt oder tr\u00e4gt. Also, der erste Schuhwechsel wird geprobt. Von anderen Athleten ist nichts zu sehen. So kurbel ich also den ersten Berg hinauf, esse, trinke und freue mich schon auf die Abfahrt. Es geht wieder zur\u00fcck nach Larnat, wo ich die Flaschen auff\u00fclle. Dann noch ein bisschen weiter runter zur Ariege, dort nach Sinsat, wo Alex mal wieder steht und mir sagt, dass sein &#8220;Mitfahrer&#8221;Mihal vom vergangenen Jahr vor mir sei. Es geht wieder einmal den Berg hoch, den Mont Fourcade. Irgendwo am Anstieg sto\u00dfe ich auf Mihal und wir sind ein St\u00fcck des Weges gemeinsam unterwegs und genie\u00dfen die Aussicht. Durch die Heidestr\u00e4ucher geht ein Weg &#8211; der ist aber nur breit genug f\u00fcr das Rad oder f\u00fcr den Menschen nebendran. Ich \u00fcbe mich im priorisieren. Aber irgendwann ist auch das vorbei, denn dann geht es Richtung Gipfel. Ich packe meine Tragegurte aus und nehme das Rad auf den R\u00fccken. Zum Gl\u00fcck ist es am Gipfel bew\u00f6lkt. Ich habe nicht mehr viel Wasser in den Flaschen und wenn hier die Sonne noch schiene\u2026Endlich sind wir oben und dann geht es in die Abfahrt Richtung Tarascon. Im n\u00e4chsten Ort ist der Brunnen von anderen Mitfahrern belagert, ich hole mir mein Wasser und fahre weiter.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 2039\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_2039.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 2047\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_2047.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p>In Tarascon wartet Alex, ich biege direkt ab zur B\u00e4ckerei, hole mir ein Baguette und eine Fanta. Herrlich! Alex sagt, dass er am Col du Port noch einmal warten wird. Das wird auf jeden Fall sp\u00e4t werden, denn es ist schon 7 Uhr. So trete ich wieder einmal den n\u00e4chsten Berg hoch und rauf auf die Hochebene zum Col du Port. Unterwegs ist ein franz\u00f6sisches Ehepaar so nett und spendiert mir noch eine Flasche Wasser. Mir geht es gut und ich freue mich auf das Wiedersehen mit Alex. Oben auf der Hochebene angekommen wird es allm\u00e4hlich und dann ganz dunkel. Vor mir sehe ich in der Ferne drei Lichter von Mitfahrern, wie die einen Berg hochsteigen. Damit ist auch das Lied des Rennens bestimmt: &#8220;there&#8217;s a light&#8221; aus der Rocky Horror Picture Show, das ich nun viele Male im Kopf vor mich hin singen werde. Ich denke, hach, wie sch\u00f6n dann bist du ja bald da. Ja, nee, Pustekuchen! Als ich den ersten H\u00fcgel dann im Dunkeln hoch bin, stelle ich fest, dass es weitere H\u00fcgel gibt, die noch \u00fcberstiegen werden wollen. Die Zeit scheint endlos. Ich bin m\u00fcde, k\u00f6nnte direkt auf dem Weg im Sitzen einschlafen, aber ich denke an mein Rendezvous mit Alex und schiebe weiter. Aber ich bin kurz davor, aufzugeben. Dann sehe ich am Horizont noch ein Gewitter\u2026nee, Regen will ich nun nicht auch noch. Dann verlaufe ich mich noch zweimal am Berg und die Stimmung ist ganz am Boden. (Mein zweites Verlaufen f\u00fchrte Alex zu der Annahme, dass ich oben in eine der H\u00fctten wollte zum \u00dcbernachten, weshalb er dann schon fuhr und nicht mehr am Col auf mich wartete. Da waren H\u00fctten???) Als ich das zweite Mal auf dem richtigen Weg wieder bin, sto\u00dfe ich auf Michel, mit dem ich die letzten Meter vom wirklich letzten H\u00fcgel meistere und dann steigen wir gemeinsam ab. Denn dummerweise ist auf der R\u00fcckseite von hochgestiegenen Bergen selten die Asphaltstra\u00dfe zur\u00fcck ins Tal\u2026Alex ist nicht da und so fahren Michel und ich einfach weiter zum Curfew Punkt Nummer 1. Ich bin zwar mehr als unlustig, aber zu zweit ist es ok an der Stelle. Und zum Gl\u00fcck interessiert sich das Gewitter nicht f\u00fcr uns.<br \/>\nDie Curfews sind Stopppunkte, die man nicht &#8220;\u00fcberfahren&#8221; darf in der Zeit zwischen 20:45-6:30. Camille, der Race Director hat das als zus\u00e4tzlichen Spannungsbogen mit eingebaut, aber auch, damit man nicht in nicht ganz einfachen Wander\/Tragepassagen die Nacht verbringt und dort noch etwas passiert.<br \/>\nAlex sagte mir vorher, dass bei dem Punkt eine verlassene Siedlung sei, aber die &#8220;guten&#8221; Schlafpl\u00e4tze sind belegt und weil es mittlerweile 3 Uhr nachts ist, bauen wir unser Lager einfach im Freien auf. Ich schlafe ein wie Stein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"DJI 0122\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/dji_0122.jpg\" width=\"640\" height=\"480\" \/><br \/>\nUm 6:30 werde ich wach, Michel ist schon am fast loslaufen und ich folge ihm knapp eine halbe Stunde sp\u00e4ter. Es gilt in den n\u00e4chsten 7 Stunden immerhin mal 30km zu machen. Es geht wieder einmal den Berg rauf, nach dem Schieben kommt das Tragen\u2026Wieder einmal. Zum Gl\u00fcck hatten Michel und ich in der vergangenen Nacht noch einmal an einem Brunnen Wasser geholt, so dass es mir hier gut geht. Die Landschaft, ja endlich sage ich es auch einmal, ist atemberaubend sch\u00f6n! Alles unsers! Aber es ist anstrengend, dorthin zu kommen. Oben angekommen geht es auf einer Schotterstra\u00dfe Richtung Tal. Dort habe ich auch meine einzige Begegnung mit den Sch\u00e4ferhunden &#8211; zum Gl\u00fcck waren die dort unter Aufsicht ihrer Herrchen. An deren H\u00fctte hole ich noch einmal Wasser, ziehe die Schuhe um und dann geht es Richtung Tal. Auf der Abfahrt kommt mir Alex entgegen und ich habe Tr\u00e4nen in den Augen, weil ich so froh bin, ihn zu sehen. Wir rollen kurz gemeinsam durch Vicdessos, bis er sich verabschiedet, denn er braucht nicht \u00fcber den n\u00e4chsten Berg mit dem Rad auf dem R\u00fccken steigen. Denn es geht wieder einmal hoch. Anfangs l\u00e4sst sich noch fahren, dann nur noch schieben und wir (Rich ist 200m hinter mir, deshalb &#8220;wir&#8221;) an einer H\u00fctte raus. Dort gibt es Wasser, einen netten Gro\u00dfvater und seine Enkelin. Ich f\u00fclle die Flaschen auf und weiter geht es. Rich ist mit dem MTB unterwegs und kann deshalb einige Passagen eher fahren, weswegen er mich dann auch schnell \u00fcberholt. Aber am folgenden Anstieg hole ich ihn wieder ein. Oben auf dem &#8220;Ridge&#8221; nach einer fiesen Kletterei (dank an Tragegurte und Laufschuhe!) nordet der Wahoo ein bisschen sp\u00e4t und zeigt f\u00fcr einen Moment nach links, wo es zum n\u00e4chsten Berg geht. Zum Gl\u00fcck f\u00e4ngt er sich aber und es geht ins Tal. Wobei auch dieser Weg nicht einfach ist &#8211; immer wieder stehe ich vor der Entscheidung, ob das Rad oder ich \u00fcberleben d\u00fcrfen. Endlich unten\u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 3340\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_3340.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 3345\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_3345.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p>Dort wartet Alex und sagt, dass in Aulus Les Bains es einen Laden g\u00e4be und ich noch bis Les weiterfahren solle (Les ist der zweite Curfew Punkt). Alles klar, wird gemacht. Im Laden hole ich mir ein Baguette und eine Cola. Und obwohl es verf\u00fchrerisch ist, sich zu den anderen zu setzen, fahre ich fast direkt weiter. Es geht relativ flach los und ich denke nur, dass das dicke Ende noch kommen wird. Denn ich habe 40km auf dem Tacho und nur knapp 2000hm. Da fehlen noch 100km und gute 3000hm, um den Tag zu beenden. So rolle ich den Nachmittag durch den etwas flacheren Teil der Pyren\u00e4en, bis dann Richtung Sp\u00e4tnachmittag das dicke Ende kommt. Es geht noch einmal ordentlich den Berg rauf, zu einer Skistation und dann runter nach Melles (dort sehe ich, wie Esel Gassi gef\u00fchrt werden: angebunden ans Auto und dann darf das Tier dem Auto hinterherlaufen) und anschlie\u00dfend der Grenz\u00fcbergang nach Spanien. Es ist dunkel, ich mache Licht an und sehe, dass mal wieder ein Gewitter heranzieht. Also, noch einmal ein bisschen Tempo bis nach Les. Alex sagte mir, dass der Curfew Punkt hinter dem Campingplatz sei und ich bin 300m auf dem Weg als er anruft und sagt, dass ich in der roten Zone bin. Alles klar, umdrehen und in Les eine \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit suchen. Die Hotels sind voll und so suche ich mir meinen trockenen Schlafplatz vor dem Gewitter nach ein bisschen hin und her auf dem Campingplatz zwischen den Rafting Schlauchbooten. Ich esse noch schnell was und dann habe ich immerhin dank Curfew eine Pause von knapp 5 Stunden.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Morgen geht der Wecker um 6 Uhr. Meine Idee ist, dass ich am Abend fertig sein werde\u2026lustige Idee!  Aber erst einmal geht es den Berg wieder rauf. Erst zu fahren, dann zu laufen. Denn Fahrteil mache ich gemeinsam mit Simon, den Laufteil mal wieder mit Michel, der uns einholt, w\u00e4hrend wir noch auf der Suche nach dem richtigen Weg sind. Der Einstieg zum Laufen ist bl\u00f6de zu finden und pl\u00f6tzlich sind Michel und ich mal wieder gemeinsam am Berg. Dieses Mal sehen wir sogar was! Hammer, diese Aussicht! Es geht rauf zu ehemaligen Minen und auf dem Weg sieht man noch einige \u00dcberreste. Unten im Anstieg sehe ich Neils Trinkflasche und wundere mich, warum die hier liegt (es stellte sich raus, dass die F\u00fchrenden es bis oben schafften, aber es dann zu sp\u00e4t f\u00fcr den Abstieg war. Das Gewitter traf die Gruppe heftig und Neil litt an so starker Unterk\u00fchlung, dass er in der Nacht noch abstieg und dabei vermutlich die Flasche verlor). Wir schieben den Berg hoch &#8211; durch eine tolle Landschaft. Aber oben ist in der Regel beim Further nicht oben, sondern es geht nach ein bisschen Abstieg wieder rauf. Hier trennen sich mal wieder die Wege von MIchel und mir, da ich ein bisschen schneller laufe. Dann geht es zu der alten Siedlung der Minen &#8211; Wahnsinn, wenn man bedenkt, was hier geleistet wurde ohne viel Infrastruktur! Aber auch hier ist die Abfahrt nicht einfach, immer wieder gibt es Schiebestellen, bzw. ich ziehe es vor zu schieben, weil ich keinen Platten riskieren will. Dabei treffe ich zwei Moutainbiker, die v\u00f6llig verbl\u00fcfft sind, hier jemanden mit dem Gravelrad zu treffen und wenig sp\u00e4ter Vater und Sohn mit ihren Kross-Motorr\u00e4dern, die mich auch ankucken, als k\u00e4me ich vom Mond. Aber irgendwann wechsle ich mal wieder in die Radschuhe und denke, dass nach 8 Stunden 35 Kilometer auf dem Tacho stehen bedeutet nichts Gutes f\u00fcr das heutige Finish. Mal sehen.<br \/>\nDann in einer langen Abfahrt geht es runter, ich f\u00fclle mal wieder Flaschen auf, irgendwo in Spanien, und dann geht es einen Pass rauf. Zum Gl\u00fcck mit Asphalt, zum Gl\u00fcck mit moderater Steigung. Hier f\u00e4hrt Philippa auf mich auf und wir fahren gemeinsam bis oben und quatschen. Runter geht es dann mit bis zu 70km\/h und ich habe massig Freude. Aber nat\u00fcrlich wei\u00df ich: ich muss noch \u00fcber 1,5 Berge, dann kommt Andorra und dann noch die letzten 4 Stunden mit dem Rad auf dem R\u00fccken. Also, weiter. Im Abendsonnenschein fahre ich den n\u00e4chsten Berg\u00fcbergang. Die M\u00fcdigkeit der Muskeln setzt allm\u00e4hlich ein und ich muss zweimal im Anstieg absteigen und ein St\u00fcck schieben, um den unteren R\u00fccken zu entlasten. Als ich oben bin, geht es in die D\u00e4mmerung. Ich schaue auf die Kilometeranzeige und denke: na, noch 40 Kilometer, das k\u00f6nnte noch klappen. Guter Plan, aber war leider nicht. Als ich im vermeintlichen unten ankomme, ist es fast dunkel. Und dann geht es noch einmal den Berg rauf &#8211; bei dem ich nicht sehe, wie lang es noch ist. Mittendrin ruft Alex an &#8211; aber die Verbindung klappt nicht und ich schreibe ihm die Nachricht, dass ich mich melde, wenn ich in Andorra bin. Endlich habe ich auch den n\u00e4chsten Berg geschafft. Auf einer \u00fcblichen Holperabfahrt geht es ins Ziel. Der Wahoo will pl\u00f6tzlich, dass ich einen Gef\u00fchlt senkrecht runter gehenden Wanderweg nehme. Eh, lieber nicht, ich bleibe auf dem breiten Weg. Der mich auch ins Tal f\u00fchrt. Unten sehe ich ein Hotel und ich bin an der Stelle so durchgefroren, dass ich am liebsten abgebogen w\u00e4re. Aber nein, ich fahre bis Andorra, telefoniere mit Alex (der mir sagen wollte, dass ich nicht den Gef\u00fchlt senkrecht nach unten gehenden Wanderweg benutzen soll) und dann geht es einmal durch Andorra. Dieses Fleckchen Erde, das gef\u00fchlt nur aus Tankstellen, Stra\u00dfen, Gesch\u00e4ften, viel Licht und L\u00e4rm und noch mehr Tankstellen besteht\u2026Und nach drei Tagen Wildnis und Einsamkeit ist das irgendwie ein Zuviel an Zivilisation. Mittlerweile ist es 23 Uhr und ich verabschiede mich von dem Plan, heute noch zu wandern. Ich will nur nach Soldeu, damit ich tags drauf dann direkt wandern kann. Also, weiter durch Andorra\u2026irgendwann endet auch mal die endlose Stadt und ich komme in Soldeu an. Ich suche mir ein Schlafpl\u00e4tzchen in einem geschlossenen Restaurant, bei dem die ganze Nacht die Beleuchtung brennt, aber ich bin so m\u00fcde, dass mir das auch egal ist. Zum Gl\u00fcck ist die Nacht kurz genug, dass ich zwar friere, aber dann dankbar bin, als ich aufstehen kann. Ich packe meine Sachen (ein letztes Mal, freu!!!), esse mal wieder einen Riegel zum Fr\u00fchst\u00fcck und mache mich auf\u2026Und wer kommt mir beim Einstieg entgegen? Michel ?? Wir quatschen kurz, aber dann bin ich schnell weg. Dass Alex und ich den Weg schon einmal vorher gingen, hilft. Ich schaue immer auf die Uhr, wieviel Zeit vergangen ist, um zu wissen, ob ich wieder was essen muss. In gewisser Weise waren die vergangenen Tage sehr zeitlos. Ich steige \u00fcber den Grat und wieder runter an den See. Dort laufe ich am Ufer entlang und ich wei\u00df, dass nun das schwierigste St\u00fcck kommen wird. Der Wanderweg zwischen Ger\u00f6ll und Fels. Es ist schon ohne Rad nicht einfach, dort durchzukommen. Und ich habe noch ein relativ vollgepacktes Rad auf dem R\u00fccken. Aber ich wei\u00df, dass es bald wieder besser werden wird. Und das wird es auch. Noch einmal bin ich sehr dankbar f\u00fcr die Laufschuhe, balanciere mein Rad und mich \u00fcber die Steine, sehe manchmal das Refuge und bleibe konzentriert. Dann ist der ganz schwierige Teil vorbei und es geht wieder einmal rauf. Es dauert nat\u00fcrlich, aber ich wei\u00df, dass ich ankommen werde. Ich wandere an der Quelle f\u00fcr das Refuge vorbei und wei\u00df, dass es nun nur noch 500m bis ins Ziel sind. Ich schaue noch einmal hinter mich, Richtung Tal, wo unten die K\u00fche weiden und der See so friedlich ist. Ich bin in dem Moment so unendlich dankbar, dass ich dieses Rennen machen durfte &#8211; und dass ich am Col du Port nicht einfach nach links (Richtung Tarascon und damit Campingplatz) abbog, sondern nach rechts. Dass ich die vergangenen Tage gesund und ohne Probleme durchgestanden hatte. Ich steige weiter hoch und da stehen auch schon Alex, Camille und die anderen. Ale kommt mir entgegen und nimmt mich in die Arme. Ich weine vor Erleichterung, Dankbarkeit, Zufriedenheit und auch ein bisschen Stolz auf mich selbst. Nach drei Tagen, einer Stunde und 30 Minuten ist mein Further vorbei.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 2064\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_2064.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 2065\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_2065.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 2069\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_2069.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 2070\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_2070.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG 2072\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img_2072.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG20220829152336\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img20220829152336.jpg\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" alt=\"IMG20220829175005\" src=\"http:\/\/www.nopogobiker.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/img20220829175005.jpg\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem urspr\u00fcnglichen Plan wollten Alex und ich gemeinsam beim further starten. 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